03.02.2011 - 20:00
Nachdem die Betongießer (m) Anfang 2010 ganze Arbeit geleistet und jede Menge Beton unter den Platz haben laufen lassen, und die nachfolgenden Pflasterer deren grobe Spuren mit ihrem feinen Oberflächenwerk erfolgreich kaschiert, und Tüftler und Monteure aus der Schweiz eine HighTech-Klappe für den verbliebenen unterirdischen Restraum konstruiert und installiert haben, fragt sich der Freund seliger WC- oder Metro-(U-Bahn)-Zeiten, was den da unter dem Platz an Hohlheit verlieben sei. Das Wetter im noch jungen Februar 2011 hat nun aufgezeigt, wie es wohl da unten aussehen mag:

Rest der unterirdischen Anlage sichtbar
Das Spiel des Klimas erinnert sehr an die wunderbare künstlerische Arbeit von Steffi Westermayer zum Schluss der U-Bahn (Metro), bei der sie die unterirdischen Konturen exakt nach Plan mit weißem Klebeband nachgezeichnet hatte. Von dieser Arbeit – sie trägt den Titel Beton hinein! – gibt es eine kleine Dokumentation in einer Auflage von 200 Stück; wer daran interessiert ist, mag sich an die Künstlerin wenden. Jetzt ist also von dem damals belebten und nachgezeichneten unterirdischen Raum nur noch der für die beiden hitzigen französischen Freunde übrig geblieben, um den herum der Abstieg konstruiert worden ist. Die Aktion der Vernichtung eines unterirdischen Raumes in bester Lage soll zwar dem Ziel einer “sauberen Stadt” näher bringen; doch hüte man (f/m) sich vor den Saubermännern (f/m), die das ersonnen haben, und nun mit Besorgnis erregender Beharrlichkeit zu verwirklichen trachten. Das sind Betonköpfe!
16.11.2009 - 18:00
Am Morgen steht der ex-Stationsvorsteher (m) leicht gerädert von den nächtlichen Feierlichkeiten zum Ende der U-Bahn (Metro) in Saarbrücken auf und blickt aus dem Fenster seines Schlafgemachs hinaus in das mieseste Grau, das sich vorstellen lässt. Doch ein weiß markiertes Areal sticht aus dem grauen(haften) Einerlei heraus: die Arbeit von Steffi Westermayer vom Vortage. Ihre akribische Arbeit, die sich bis in die Nacht hinein gezogen hat, markiert in wunderbar klarer Weise, wo sich der nunmehr ex-Stationsvorsteher (m) die vergangenen drei Monate Tag für Tag aufgehalten hat.

Blick auf den Eingang zur ex-Zentralstation
Die Leitungs-Crew (m) ist am Vortag, beziehungsweise -abend, natürlich nur noch mal ‘ne Runde mit der Metro (U-Bahn) gefahren, statt – wie allseits vermutet – sich komplett abzusetzen.
Statistik des Tages:
- 0 Zigaretten-Kippen auf der Metro-(U-Bahn)-Treppe;
- 3 Schippen Abfälle aus dem Eingangsbereich zur U-Bahn (Metro);
- ca. 5 Metro-(U-Bahn)-Besucher (f/m), die sie gerne gesehen hätten… (sorry, zu spät!);
- 0 Ausleihen aus der U-Bahn-(Metro)-Mediathek; 0 Rückgaben [Grund: GESCHLOSSEN !];
- 0 ex-WC-Gäste, die’s nicht “checken”;
- 0 ex-WC-Gäste, die’s beinahe nicht “checken”;
- 1 ex-WC-Gast (m), der’s rechtzeitig “checkt”;
- € 0,00 pekuniäre Spenden in der Box…;
- 0 Sachspenden…;
- 1 Zeitspenden: 4 Stunden abbauen und schleppen (dem Spender sei Dank!)
- 0 Leihgaben.
15.11.2009 - 18:00
Der zweiundneunzigste Tag des regulären Fahrgastbetriebs der Saarbrücker U-Bahn (Metro), an dem die Systeme immer noch rund und störungsfrei laufen, ist absolut der letzte. Oberirdisch dagegen, wo es mehr oder weniger munter weiter geht (weniger, weil ein November-Kleinstadt-Sonntag mit seiner scher zu ertragenden Beschaulichkeit seinen Lauf nimmt…), werden weiter Vorbereitungen für den Kommerzrummel alias Christkindlmarkt (zu Deutsch: Weihnachtsmarkt) getroffen.

Baumkronen-Aktivist über dem Treppenabgang zur Zentralstation
Bei Öffnung der Metro-(U-Bahn)-Tore um Punkt 10 Uhr erblickt der Stationsvorsteher (m) einen hoch über dem Treppenabgang schwebenden Menschen (m), der im Laub der beiden Freunde über der U-Bahn (Metro) “herummacht”. Vermutlich bringt er Lichterketten an, die wohl die bevorstehenden finstersten Tage des Jahres erleuchten sollen. Natürlich ist auch diese Aktivität, wie die zuvor erfolgende Reinigung des Platzes durch dreh-fegende Ungeheuer, mit viel Lärm verbunden.

Erstarrte Tiere in Transporter
Richtig laut wird es oberirdisch auf dem Markt, als der Weihnachtsmarkt-Installations-Trupp (m) mit unglaublich schwerem Gerät anrückt, um ein Seil hoch über dem Platz zu spannen, auf das dann irgendwann, längst bei Einbruch der Dunkelheit, ein Schlitten mit einer dämlichen Wolke unten dran gestellt wird. Mit unglaublichem Getöse und Gestank wird das Montage-Spektakel im kleinen Rest der Altstadt von St. Johann durchgeführt.

Seilziehen-Spieler (m) auf dem St. Johanner Markt
Derweil kocht Alexander Karle unbeirrt vom Feinstaub-Aufkommen durch die Dieselruß speienden Ungeheuer mit riesigen Haken ein Finissagen-Süppchen, wofür er eigens oberirdisch ein Zelt aufgeschlagen hat; und Steffi Westermayer markiert, ebenfalls oberirdisch, mit großer Akribie mit weißem Band die Konturen der unterirdischen Anlage, deren Ende so unabwendbar bevorsteht…

Einer kocht, die andere markiert; der Rest staunt
Unterirdisch sind am letzten Tag noch einmal erfreulich zahlreiche Fahrgäste (f/m) und Kunstfreunde (m/f) zu begrüßen. Sie wollen noch einmal mit der “U-Bahn durchs Klo rasen”, wie die BILD Saarland seinerzeit titelte oder des Studenten Arbeiten betrachten, “der Kunst macht”, wie das selbe Blatt später berichtet hat. Auch der „staub.lungen.chor” muss ziemlich oft seinen heiseren aber regen Gesang anstimmen, während unweit davon die Glocken aus „Gong” (2009) von Celine Mentzel ertönen. An dieser Stelle sei allen der erfreulich vielen und durchweg netten Besucher (f/m) des Geschenks der Partnerstadt Tbilisi zum hundertsten Großstadtjubiläum von Saarbrücken gedankt; wir werden die große Dankbarkeit der Saarbrücker (m/f) und deren Besucher (m/f) für diese Freundschaftsgabe in Tbilisi gebührend vermelden.
Als das Ende naht, fällt auf, dass sich die gesamte Führung (m) der Saarbrücker Metro (U-Bahn) offensichtlich mit einem der letzten Züge auf und davon gemacht hat. Niemand, der sich für irgend etwas in der Tunnelanlage verantwortlich gefühlt hätte, war mehr greifbar … und die bestellten Finissagen-Gäste (f/m) mussten nun von der erstaunt zurück gebliebenen und sich ziemlich überrumpelt vorkommenden Reinigungskraft (m) durch ein kurzes Festprogramm bugsiert werden. Zwei alte treue Tunnelarbeiter (m) und die Reinigungskraft (m) holen unter Begleitung dürftigen Trompetenspiels Letzterer (m) und mit feierlicher Miene der anderen Beiden (m) den U-Bahn-(Metro)-Banner einholen … um ihn sodann mit tiefer Rührung und unter Applaus sowie dem fortwährenden Getöse des Fuhrparks vom Weihnachtsmarkt-Installations-Trupp (m) untertage zu verbringen.
[Foto(s) von Astrid Karger folgt/folgen...]
Mit Suppe, Gesprächen über die letzten drei Monate und darüber, wie die Zeit doch rennt, sowie mit reichlich fließendem Bier suchen die verbliebenen Mitarbeiter (m) der Metro (U-Bahn) sowie die Finissagen-Gäste (f/m) samt einiger stadtbekannter noch lebender Alkohol-Leichen (m), die über eine untrügliche Witterung für leicht erhältlichen Stoff verfügen, über die harte Tatsache hinweg zu trösten, das fortan auf ein urbanes Massentransportmittel wie die U-Bahn (Metro) in Saarbrücken verzichtet werden muss. Erst als eine Arbeiterkapelle (3m) auftritt und unwiderstehlichen Frohsinn auf ex-Bahnsteig 2 bringt, gelingt es auch dem Letzten (f/m, sich vorerst damit abzufinden.

Arbeiterkapelle mit Bratsche, eGitarre und Cajón auf ex-Bahnsteig 2
Während untertage die Alkoholvorräte in zunehmend fröhlicher Stimmung vernichtet werden, kommt es oberirdisch zum Crash: Der Schlitten mit der dämlichen Wolke unten dran donnert mit Letzterer in ein Hausdach in der benachbarten Bahnhofstraße. Der Insasse (m) muss von der Feuerwehr mit irrem Aufwand geborgen werden, was den Einsatz an schwerem Gerät in vollends unerträgliche Maße steigert.
Statistik des Tages:
- 1 Zigaretten-Kippe auf der Metro-(U-Bahn)-Treppe;
- 6 Schippen Abfälle aus dem Eingangsbereich zur U-Bahn (Metro);
- ca. 140 Metro-(U-Bahn)-Besucher (f/m);
- 0 Ausleihen aus der U-Bahn-(Metro)-Mediathek; 0 Rückgaben [Grund: GESCHLOSSEN !];
- 0 ex-WC-Gäste, die’s nicht “checken”;
- 1 ex-WC-Gast, der’s beinahe nicht “checkt” (wird mittels Vierkantschlüssel aus der Kabine geholt!);
- 3 ex-WC-Gäste (m), die’s rechtzeitig “checken”;
- € 25,72 pekuniäre Spenden in der Box – sowie in unbekannter Höhe im Spenden-Becken von Alexander Karle (den Spendern sei Dank!);
- 3 Sachspenden: 1 Stück Kuchen, eine Packung Kekse, 1 Tafel leckerer Schokolade, 1 Kasten Bier für die Finissage (den Spendern sei Dank!);
- 2 Zeitspenden: jeweils 1 Stunde zweier Arbeiter-Helfer (m) für die Banner-Einhol-Zeremonie bei der Finissage (den Spendern sei Dank!);
- 0 Leihgaben.